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Indurain war am Rande eines Kollaps - ZDFonline Interview mit Alex Zülle
Der frischgebackene Tour de
Suisse-Sieger 2002, Alex Zülle vom Team Coast, erinnert sich im Interview mit
ZDFonline an seinen Parforce-Ritt nach La Plagne während der Tour de France 1995,
als er den großen Miguel Indurain herausforderte.
ZDFonline: Was ist Ihnen von
Ihrem Etappensieg in La Plagne 1995 besonders in Erinnerung geblieben?
Es war einer der schönsten Siege in meiner Karriere, eine Bergetappe vor Miguel
Indurain zu gewinnen. In meinem Gedächtnis, in meinem Sportlerherz bleibt das
immer präsent. Ich war fast den ganzen Tag - mehr als 100 Kilometer - alleine
vorne und habe dadurch auch den Grundstein zum zweiten Rang im Gesamtklassement gelegt.
Dieser Sieg - und der Sieg beim Prolog 1996 - die bleiben in Erinnerung. Es ist überhaupt
sehr schwer auch nur einen Sieg bei der Tour zu holen.
ZDFonline: Sie waren einer
der Wenigen, der Miguel Indurain herausforderte. Er hat sich in Ihrer Verfolgung fast
aufgerieben und bis war am Rande eines Kollaps.
Ja, das kann man so sagen - in dieser Etappe
schon. Aber danach waren er und sein Team wieder souverän. In den ganzen Jahren
sind Indurains Konkurrenten immer mehr als 100 Prozent gefahren, waren immer am Limit,
trotzdem war Indurain mit Abstand der Stärkste. Und dann kam das Jahr 1999. Ich
war wieder Zweiter, diesmal hinter einer neuen Generation, hinter Armstrong. Es hat
zwar nie mit dem Tour-Sieg geklappt, aber es war schon eine schöne Zeit.
ZDFonline: Kann man sagen,
dass Sie Ihre schönsten Momente bei der Tour de France erlebten?
Ja, für das Volk, für die Leute, für die Medien und natürlich auch
für den Radsport ist die Tour de France das Größte. Ich habe allerdings
als Fahrer einer spanischen Mannschaft 1996 und 1997 die Spanien-Rundfahrt gewonnen
- das waren auch sehr schöne Punkte meiner Karriere.
ZDFonline: Und die schlimmste
Erinnerung an die Tour de France?
Ich bin einige Male sehr schwer gestürzt und dann, 1998, wurde unser Festina Team
und damit alle seine Fahrer aus dem Rennen genommen. Im Zuge der ganzen Problematik
1998 war das nicht schlimm. Es wäre nicht gut gewesen, wenn wir weitergefahren
wären, vor allem weil unsere Konzentration nicht mehr da war. Aber als Rennfahrer
muss man die schlechten Phasen überwinden - wie auch das letzte Jahr, als es bei
mir nicht lief. Allerdings ist die Genugtuung dann umso größer, wenn man
sagen kann: "Ich bin wieder da!".
ZDFonline: Wie groß ist Ihre Motivation jetzt für die Spanien-Rundfahrt?
Das Rennprogramm ist noch nicht entschieden. Ich muss mir das nochmal gut überlegen,
aber zum jetzigen Zeitpunkt kann ich noch nichts dazu sagen. Jetzt genieße ich
erst einmal ein wenig den Erfolg in der Tour de Suisse.
von Christian Harth, 21.07.2002
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