|
::: Bis der Vorhang fällt, gebe ich alles Der Schweizer Alex Zülle steht vor seiner wahrscheinlich letzten Saison als Radprofi "Dann sitze ich vor dem Fernseher und schaue zu - mit Chips und Cola", so sieht sich Alex Zülle im nächsten Jahr ganz entspannt wenn die Tour de France läuft und sein neuer Teamgefährte Jan Ullrich wieder um den Sieg mitfahren möchte. Will heissen: Der Schweizer fährt 2003 seine letzte Saison im Coast-Trikot. Das ist definitiv - mit kleiner Hintertür. "Mal sehen, wie diese Saison für mich läuft", sagt der 34-jährige aus Niederzwil und will sich in seinem vorraussichtlich letzten Jahr seiner aktiven Karriere noch einmal so richtig reinhängen."Bis der Vorhang fällt, gebe ich alles." Letztes Jahr gewann Alex Zülle mit grossartiger Unterstützung seiner Coast-Teamgefährten ("Sie sind für mich durch die Hölle gegangen") die Tour de Suisse, nachdem er im Frühjahr schon die Valcenia-Rundfahrt für sich entschieden hatte. Vergessen war das Jahr 2001, "das schlimmste Jahr meiner Karriere".In seiner ersten Saison im Coast-Trikot verlor er vor zwei Jahren auf der Königsetappe der Tour de Suisse fast 10 Minuten und die Schweizer Gazetten titelten schon: "Ein Champion am Ende!" Doch Alex Zülle stand auf. "Es konnte doch nicht sein, dass ich das Rad fahren verlernt hatte", ging der Ostschweizer mit sich selbst hart ins Gericht. Und Coast und vor allem Wolfram Lindner liessen ihn nicht fallen und vertrauten seiner Klasse, die er so oft in seiner langen Karriere unter Beweis gestellt hat. Lindner, der schon als Schweizer Nationaltrainer mit Zülle arbeitete, hielt an seinem Schützling einmal mehr fest udn freute sich in der vergangenen Saison wohl am Meisten, dass mit dem Sieg bei der Tour de Suisse den mitunter sehr harten Zülle-Kritikern der Wind aus den Segeln genommen wurde.Nun geht Zülle wieder erhobenen Hauptes in seine vermutlich letzte Saison und hat mit Jan Ullrich nochmal einen prominenten Weggefährten an seiner Seite. Und Zülle kann mit seiner Erfahrung aus bislang 11 Profijahren gerade für einen Jan Ullrich ein wertvoller Helfer sein. Vor allem bei der Tour de France. "Da ist Jan schon dieses Jahr alles zuzutrauen", sagt Zülle, der selbst 1996 seine beste Saison und in seiner Heimat Weltmeister im Einzelzeitfahren wurde. "Das war der schönste und emotionalste Erfolg meiner Karriere", erzählt Zülle dem "Radsport". Seine eigenen Ambitionen stelle Zülle, der neben Ullrich und Angel Casero die dritte Spitze im Team ist, nicht hinten an. "Jeder im Team muss seine Leaderposition immer auf's Neue bestätigen", lässt Zülle offen, wer wann und wo die Meriten für Coast einfahren soll. Alex Zülle selbst will bei der Tour de Suisse seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen. "Wenn die Form stimmt, ist alles möglich", sagt Zülle, der seit der "Ullrich-Unterschrift" ein gesteigertes Medieninteresse festgestellt hat. "Ansonsten ist aber alles beim Alten. Die Organisation ist gut, die ersten Rennen waren schnell..." Bei der Tour de France traut er sich noch mal eine Podiumsplatzierung zu. "Warum nicht?", fragt Zülle. " Ich war ja schon zweimal drauf!" Das war 1995, als Zweiter hinter Indurain, und 1999, da war nur Armstrong schneller. Den gilt es nun endlich von Coast zu schlagen. Ein sehr schweres Unterfangen, bei dem Alex Zülle trotz seiner selbsbewussten Prognose sicherlich nicht die Hauptrolle spielen wird. Denn den Höhepunkt seiner Karriere hat der sympathische Schweizer sicher schon hinter sich. Doch er wird Coast auch in diesem jahr ein verlässlicher Partner sein. Und man sollte es nicht als Überheblichkeit werten, wenn er sagt: "Weltklasse bin ich immer noch!" ::: Fragebogen ::: Welchen Traum wollen Sie sich unbedingt noch erfüllen? Kinder ::: Beschreiben Sie sich mit 3 Worten pünktlich, ordentlich, Schweizer ::: Worüber können Sie sich aufregen? Unpünktlichkeit ::: Worüber freuen? Sonnenschein ::: Wo ist Ihr Lieblingsplatz? zu Hause ::: Welche drei Dinge würden Sie bei einem Brand aus ihrem Haus retten? Familie, Fotos, Katze ::: Ein gelungener Sonntag ist für mich... nicht trainieren ::: Ihr Lieblingsgericht? Zürcher Geschnetzeltes ::: Welche Macken haben Sie? zu aufbrausend ::: Ihr Lebensmotto ist? Zufrieden lebt es sich besser! © RADSPORT 7/2003 |