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Die Freundinnen von Zülle und Camenzind trafen sich zum Kaffeekränzchen
Oscar Camenzind (28), Tour-de-Suisse-Sieger 2000. Nach seinem Triumph dankte er zuerst seiner Freundin Angela(28). Und als Alex Zülle (32) nur einen Monat später die Tour de France aufgab, sehnte er sich nach den Armen von Freundin Andrea (28). Als Partnerinnen von vielreisenden Spitzensportlern führen Andrea und Angela ein Leben zwischen Einsamkeit, Freiheit und der Liebe zu ihren Männern auf Distanz. Ihre Beziehungen - dirigiert von Giro, Tour de France, Vuelta oder Olympischen Spielen. Andrea, die Unsportliche (ist noch nie mit Alex auf ein Velo gestiegen), und Angela, die Sportliche (Inline, Aerobic, Biken), plauderten für SonntagsBlick über die Macken ihrer Männer, stundenlange Telefonate, den Wunsch nach Kindern und über Sex. Ein Kaffeekränzchen - nur unter Frauen. |
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Neun Monate im Jahr sind eure Männer unterwegs. Mal schauen, ob ihr sie noch kennt. Wie hoch ist der Puls von euren Liebsten? Andrea Meyer: Oh, ich glaube, gestern war er ungefähr 54. Aber Alex ist leicht erkältet. Angela Oeschger: Da hab ich keine Ahnung. Frag nichts über Puls, Körperfett, Kränze oder so ... Andrea: Dazu musst mich auch nichts fragen. Ich weiss knapp, mit wem Alex in der Mannschaft fährt. Diese spanischen Namen... Angela: Ah doch, das Team von Ösi kenne ich schon. Kennt ihr euch eigentlich? Angela: Ja. Aber primär vom Fernsehen und von den Heftlis. Bei der Wohnungseinweihe von Roli Meier haben wir uns mal getroffen. Andrea: Genau. Da haben wir übers Alleinsein gesprochen. Wie das so ist, wenn man soviel alleine zuhause ist... Angela: Ich finde, man gewöhnt sich total daran! Es ist eher mühsam, wenn Oscar wieder nachhause kommt (lacht). Es ist immer eine Umgewöhnung. Dann muss ich wieder kochen. Wenn ich alleine bin, stehe ich selten in der Küche. Andrea: Ich muss studieren, was ich kochen soll. Wenn ich alleine bin, gehe ich manchmal drei Wochen nicht einkaufen. Angela: Zum Glück ist meiner pflegeleicht. Der isst schier alles, was ich ihm auf den Tisch stelle. Andrea: Alex hat nicht gern Gemüse und Salat. Ausser Rahmspinat, Erbsli und Rüebli. Dann gibts eben Risotto oder Spaghetti. Der Stress beginnt also beim Kochen. Aber was machen Ösi und Alex eigentlich als Erstes, wenn sie nach langen Rundfahrten nach Hause kommen? Angela: Also Ösi schaut sofort seine Post an. Meistens ist es schon mitten in der Nacht. Wenn er noch Lust hat, packt er vielleicht noch was aus dem Koffer aus. Andrea: Alex, egal ob mitten in der Nacht oder am Morgen früh, räumt seinen Koffer aus, wäscht seine Velokleider und erledigt subito die ganze Post. Angela (erstaunt): Warum wäscht er seine Velokleiner selber? Sind sie ihm so kostbar? Andrea: Nein. Das hat er schon früher gemacht. Der kommt rein, zieht sich aus und schmeisst die Kleider in die Maschine. Alex ist sehr pedantisch: In seinem Koffer ist alles immer peinlichst genau geordnet: Unterhose hier, Socken da. Angela schaut ungläubig. Andrea weiter: Doch, das Schlimmste für Alex ist, wenn er den Koffer im Hotelzimmer nicht richtig öffnen kann. Er ist extrem pingelig. Angela: So schön! Ösi ist das pure Gegenteil. In seinem Koffer herrscht Chaos pur. Und auch in den Hotelzimmern, das schaut ja aus wie auf einem Schlachtfeld. Andrea: Das stimmt. Angela: Die Handtücher schmeissen sie so auf den Boden, die Betten sind voller Kleider. Alles ist ziemlich schmuddelig, finde ich. Ist Alex zuhause auch so ordnunbgsliebend? Andrea: Klar. Der nimmt jedes Haar aus dem Brünneli, nimmt den Boden auf, wäscht immer sofort alle Pfannen ab. Angela lacht und schaut noch ungläubiger: Also ich habe Oscar nun soweit, dass er nach dem Duschen die Plexiglaswand abtrocknet. Das macht er jetzt. Aber das Brünneli ausputzen, das würde er nie machen. Wenn ich ihm das sagen würde, würde er fragen: "Hey spinnsch oder was?" Wieviel Rücksicht nehmt ihr eigentlich auf eure Männer? Angela: Also ich nehme schon sehr stark Rücksicht.Meine Freunde und die Familie wohnen im Kanton Argau. Ich bin mit Oscar nach Gersau gezogen, weil er hier die besten Trainingsbedingungen vorfindet. Wenn er hier ist, will ich die Zeit mit ihm geniessen. Ich richte mein Leben schon sehr stark nach ihm. Andrea: Sicher, ich richte mich auch nach Alex. Allerdings ist es auch schon vorgekommen, dass er kurzfristig nach Hause gekommen ist und ich mit Freundinnen abgemacht habe. Dann gehe ich trotzdem weg. Ich will auch für meine Freunde da sein, wenn Alex zuhause ist. Aber sonst richte ich mich auch nach ihm. Es richten sich ja alle nach ihm... Beide lachen! Andrea: Manchmal bin ich auch nicht zuhause, wenn Alex anruft. Jeden Tag gegen 19 Uhr klingelts. Wenn ich mal nicht da bin, dann kommt er gleich in ein "züüg ine, oh wo isch siii..." Manchmal wird er schon nervös, wenn er mich nicht hört. Angela: Oscar wird nicht so leicht nervös. Doch einmal! An einem Samstagabend. Da ist es ihm nach einer verpatzten Etappe psychisch sehr schlecht gegangen - ich war im Ausgang. Da hätte er gern mit mir gesprochen. Andrea: Hättest ihn aufbauen sollen? Angela: Ja. Wie machst du das jeweils? Andrea: Ich sage, dass morgen wieder alles anders sein kann. Angela: Das sage ich auch. Oder: Jeden Tag kannst du nicht gute Beine haben. Du bist auch nur ein Mensch und keine Maschine. Andrea: Während der Tour de France habe ich in der Kirche für Alex jeden Tag eine Kerze angezündet. Als er vorzeitig nachause kam, meinte er: "Gsehsch, es het nüt gnützt". "Doch", sagte ich, "du bist nicht gestürzt. Immer positiv denken!" Leidet ihr während den Rennen auch richtig mit? Andrea: Klar. Ich kann auch gar nicht hinschauen, wenn Alex fährt. Ich finde das schrecklich. Angela lacht. Andrea: Es wird immer schlimmer. Früher konnte ich noch eher zuschauen. Du bist ausgeliefert, kannst nicht helfen. Und wenn er stürzt... Angela: Doch, ich schaue gerne zu. Andrea: Wenn ich sehe, dass er nicht mehr mitkommt am Berg - da leide ich manchmal mehr als Alex. Angela: Ich muss für Ösi jedes Rennen auf Video aufnehmen. Er will dann alles nochmals anschauen. Eure Männer stehen in der Öffentlichkeit - ihr steht quasi in der zweiten Reihe. Stört euch das? Angela: Für mich kein Problem. Ich gehe auch selten an Rennen. Manchmal an die Tour de Suisse. Aber nach einem Tag bin ich froh, wenn ich wieder vom Rummel weg kann. Andrea: Ich bin nicht der Typ, der gerne im Mittelpunkt steht. Alex fährt ja Velo - ich mache nichts. Auch wenn Alex an Rennen von fremden Frauen umlagert wird - ich bin kaum eifersüchtig... Angela: Ich auch nicht. Die Rennfahrer haben ja überhaupt keine Zeit, um zu flirten ... Rennen, Interviews, Essen, Schlafen! Andrea: Vertrauen ist das Wichtigste. Hat man mit einem Spitzensportler eigentlich besseren Sex? Beide lachen. Ruhe. Angela: Ich weiss nicht, ob unsere Männer ausdauernder sind. Andrea: Ein sonst sportlicher Mann hat bestimmt auch seine Qualitäten. Angela: Das habe ich mir jetzt noch nie überlegt. Andrea: Also ich stehe bestimmt nicht auf den Alex, weil er so durchtrainiert ist, sondern einfach, weil ich ihn liebe, so wie er ist. Er ist humorvoll und ich kann über und mit ihm lachen. Wie steht es bei euch eigentlich mit heiraten? Angela: Man kann auch zusammenleben ohne Trauschein. Heirat ist erst ein Thema, wenn Kinder ein Thema sind. Solange Ösi Velo fährt - und dies hat er noch fünf Jahre vor - sind Kinder und Heirat kein Thema. Ich habe keine Lust, die Kinder alleine zu erziehen. Andrea: Alex macht sich schon Gedanken zur Zukunft. Er ist jetzt 32 und will keine fünf Jahre mehr fahren. Angela: Er kann ja auch in die PR-Branche. Das machen jetzt viele Ex-Profis. Für unsere Männer habe ich bezüglich der Zukunft gar keine Angst. Andrea: Auf seinen alten Beruf als Maler will Alex bestimmt nicht mehr. Beide lachen. Angela: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Ösi einmal nicht mehr Rad fährt. Es wäre für mich eine Riesenumstellung. Andrea: Klar. Aber ich glaube, man gewöhnt sich daran. Angela: Ja, vielleicht. Aber ich mag gar nicht in die Zukunft planen. Wie heisst es so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Sagt die Freundin von Ösi Camenzind und schaufelt ein grosses Stück Kuchen auf ihre Gabel. Geniessen soll man das Leben! Finanzielle Gedanken zur Zukunft brauchen sie sich in ihren Situationen wohl keine zu machen! Herzlichen Dank, Andea und Angela. Klatsch und Tratsch unter Frauen macht einfach Spass! © SonntagsBlick, 30.7.2000, von Gina Kern |