::: Alex am Laptop

::: Beim Kampf mit dem Staubsauger (Ja, ja, die Tücken der Technik...)

::: Und die grosse Wäsche muss auch erledigt werden.

Tour de Suisse-Sieger Alex Zülle steht vor seiner letzten Saison beim Coast-Team. Was macht der Radprofi eigentlich, wenn er nicht Rad fährt?

Saugen, Surfen, Schwitzen

Noch eine Saison, dann ist Schluss:Alex Zülle (34) steht vor seinem letzten Jahr als Radprofi. Zur Zeit hat er trainingsfrei. BLICK besuchte den Sieger der Tour de Suisse 2002 zu Hause.

"Auf dem Velo aber seht ihr mich nicht." warnt Alex Zülle. "Diese Woche rühre ich mein Arbeitsgerät nicht an." Das Bianchi-Velo hängt in der grossen Garage. Ein paar Meter daneben der silbergraue Porsche Carrera 4 im Winterschlaf. Freundin Andrea Meyer ist längst ausser Haus. Sie arbeitet in einer Arztpraxis. Alex muss den Tag totschlagen. Zülles erster Gang in den letzten Tagen war immer derselbe.Er schaute im Briefkasten nach, ob der redigierte Vertrag des deutschen Coast-Teams endlich eingetroffen ist. An diesem Morgen ruft Manager Tony Rominger an. "Dein Vertrag wurde von unseren Juristen überprüft und die Änderungen vorgenommen. Jetzt ist er bereit zu Unterschrift." Zülle ist zufrieden. "Es ging ja nicht um mein Salär.Es waren nur ein paar Klauseln, die ich anders formuliert haben wollte."

Alex ist braungebrannt, die Ferien auf den Niederländischen Antillen haben ihm gut getan. Vor einer Woche ist er zurück gekehrt, musste sich erst an den Nebel gewöhnen. Ein Blick vom Balkon - und sein Gesicht erhellt sich. "Noch zwei Stunden, dann drückt die Sonne durch den Nebel."Er spaziert um sein Anwesen, prüft die Kupferplatte. "Seit die da einbetoniert ist, schlafe ich herrlich", erzählt er. "Früher wachte ich immer schweissgebadet auf." Ein Appenzeller Bauer fand die Wasserader, sie läuft genau unter dem Schlafzimmer durch. Bevor sich Zülle aber dem Computer und der Briefpost widmet, greift er zum Staubsauger. "Ich bin daheim, Andrea arbeitet voll - da gehe ich ihr zur Hand. Bin ich aber voll im Training, habe ich dazu keine Lust." Ein kurzer Spaziergang im Dorf. Die Landbeiz macht erst gegen 17 Uhr auf. Alex läuft am Plakat "Zuckenriet gratuliert Alex Zülle zum Sieg an der Tour de Suisse" vorbei. Er schmunzelt. "Jetzt können sie es dann langsam abhängen." Gegen Mittag steigt er in seinen BMW-Kombi, besucht Mama Will in Münchwilen. "Nein, kein Hunger", wehrt er ab. "Bin ich nicht im Training, esse ich nie am Mittag." Das weiss Will, aber sie möchte ihren Sohn ja wieder einmal verwöhnen. Sie öffnet eine Flasche Johannisberg, den Sonntagswein. Gegen ein Glas "Leukersonne" wehrt sich Alex nicht. Beide reden über Weihnachten, Alex erkundigt sich nach den Kindern seiner Schwester. Lange bleibt der Radprofi nicht. Er will nachmittags daheim in die Sauna, dann durch die TV-Kanäle zappen, ein Nickerchen machen - und sich aufs Nachtessen mit Freundin Andrea freuen. Ein ganz normaler Tag, ohne Aufregung, ohne Hektik.

von Hans-Peter Hildbrand © Text und Photos: www.blick.ch