::: 30.9.00 Gold an Russland


Mit Überraschungssieger Wjatscheslaw Ekimov aus Russland ging der letzte Radwettbewerb in Sydney zu Ende. Silber holte Ullrich, Bronze gewann Ekimovs enttäuschter (Profi)Teamkollege Lance Armstrong.
Der Russe, den eigentlich keiner so recht auf dem Plan hatte, hatte den Vorteil, bei Windstille fahren zu können und legte die Bestzeit vor, die, als der Wind etwas auffrischte, keiner mehr unterbieten konnte.
Alex lieferte eine ziemlich bescheidene Leistung ab, mit 4:54 Minuten Rückstand wurde er nur 33. von 38 Fahrern. Nach eigenen Angaben fühlte er sich einfach zu müde und hatte keine Kraft mehr, noch Druck auf die Pedale zu bringen.Der Hauptgrund sei wohl der verbotene Ausstieg aus der Vuelta gewesen, wodurch ihm keine Zeit blieb, sich ausreichend für Olympia zu erholen und vorzubereiten. Trotz der schlechten Leistung habe er es aber nicht bereut, nach Sydney gekommen zu sein.

::: 29.9.00 Einzelzeitfahren

Auf dem 48 km langen, technisch anspruchsvollen Kurs gilt der Amerikaner Lance Armstrong als der Topfavorit schlechthin.Weitere Chancen werden auch Olano, Jalabert, Hamliton, Ullrich und Klöden eingeräumt.
Bei Alex wird man sehen, wie er die Vuelta und das Straßenrennen weggesteckt, wie Wolfram Lindners „Seelenmassage“ gewirkt und ob er die Kraft, den Willen und die Moral hat, diese Saison noch mal das große Ding zu reißen. Alex, der inzwischen der letzte Velo-Eidgenosse ist (seinen Teamkollegen sind schon auf dem Rückflug in die Schweiz), hat mit Lindner nochmals 3 Stunden trainiert und möchte gern, wie er selbst sagt, ein Medaillle gewinnen.
Wolfram Lindner hat beim Trainieren noch eine interessante Feststellung zu Alex' Anatomie gemacht: „ Ob man's glaubt oder nicht, aber der Alex hat gar keinen Arsch zum Velo fahren.“

::: 29.9.00 Interview mit „Coast“-Teamchef Wolfram Lindner


RADSPORT-NEWS.COM: Herr Lindner, Sie haben mit den Verpflichtungen von Fahrern wie Zülle, Escartin, Aebersold, Gianetti eine Riesenunruhe in die bisher so schön geordnete deutsche Team-Szene gebracht. Können Sie für unsere Leser Ihr Konzept schildern?

Lindner: Nun, wir wollen eine GS-I-Mannschaft aufbauen und dazu müssen wir erst einmal Fahrer mit sovielen UCI-Punkten wie möglich verpflichten, um problemlos im kommenden Jahr GS-I-Status zu haben. Aber wir wollen nicht nur irgendein GS-I-Team sein, sondern eines, das bei der Tour de France auch eine Chance hat, das zusammenpasst. Wir haben bereits die Eckpfeiler dazu mit Zülle, sowie drumherum Escartin, Aebersold, Gianetti... Ich verhandle derzeit hier in Sydney außerdem mit einigen anderen Fahrern. Da wird natürlich kräftig gepokert, aber bis nach der Weltmeisterschaft (am 15.10., die Red.) werden wir noch den ein oder anderen Topfahrer präsentieren können.

RADSPORT-NEWS.COM: Den GS-I-Status haben Sie sicher? Wieviel Punkte, denken Sie, braucht man dazu?

Lindner: Ja, wir werden die erste Division sein. Wir rechnen mit 3.500 bis 4.000 Punkten - das reicht allemal.


RADSPORT-NEWS.COM: Wie sieht es mit der Verpflichtung von Doppel-Olympiasieger Robert Bartko aus? Geht er nun definitiv zu „Coast“ ?

Lindner: Ja, Bartko unterschreibt seinen Vertrag bei uns, wenn er wieder zuhause ist in Deutschland. Es ist ja so, wir wollen ja nicht nur gute Ausländer, sondern auch hoffnungsvolle deutsche Talente wie Bartko oder (den 22 Jahre alten Erfurter Vierer-Olympiassieger) Daniel Becke. Die beiden werden mit Sicherheit eine große Zukunft haben. Vom „alten“ Coast-Team werden bei uns bleiben Michael Giebelmann (26), Malte Urban (25), Klaus Mutschler (23) und Christoph von Kleinsorgen (20).

RADSPORT-NEWS.COM: Und auf wen haben Sie in Sydney noch ein Auge geworfen?

Lindner: Es wird noch eine Bombe geben. Aber ich möchte dazu noch nichts sagen, solange noch nichts unterschieben ist. Es ist so, wir haben einen seriösen Sponsor, der sagt, GS-II ist gut, aber wir wollen ganz nach oben. Wir wollen zur Tour de France.

RADSPORT-NEWS.COM: Und an den Tour-Start glauben Sie fest?

Lindner: Ja. Es gibt im kommenden Jahr da recht konkrete und objektive Einladungskriterien. Wir werden alles daran setzten, im Frühjahr in den Rennen diese Vorrausetzung zu schaffen.

RADSPORT-NEWS.COM: Bei welchen Rennen?

Lindner: Bei den Klassikern, den Rundfahrten in Frankreich und Spanien. Natürlich auch bei den deutschen Rennen. Wir wollen uns den deutschen Fans präsentieren, bei allen Rennen, die für uns offenstehen, bei Deutschland-Tour, bei der Friedensfahrt etc... Wir möchten auch mithelfen, den derzeitigen Radsport-Boom zu fördern. Wir werden 20 Fahrer haben und wir werden allen ein schönes Programm bieten.

RADSPORT-NEWS.COM: Viele in der Szene äußern sich sehr skeptisch zum „Coast“-Projekt. Herr Holczer, der Teamchef von „Gerolsteiner“ hat öffentlich in einem Zeitungsinterview die Seriosität Ihres Sponsors angezweifelt.

Lindner: Herr Dahms (der Chef des Unternehmens Coast, die Red.) arbeitet seriös. Davon habe ich mich überzeugt. Aber ich verstehe natürlich die Skepsis. Das ist mehr als verständlich. Da kommt plötzlich einen Mannschaft daher, die nimmt den anderen - auch Telekom! - die Medienaufmerksamkeit ein bißchen weg, die müssen da jetzt teilen... Ich verstehe , daß da gezweifelt wird jetzt. Aber in sechs Monaten wird an uns keiner mehr zweifeln.

RADSPORT-NEWS.COM: Es gibt Stimmen, die sagen, der Lindner hat die DDR-Auswahl trainiert, die Schweizer Nationalauswahl. Aber eine Profimannschaft, eine GS-I zu betreuen, das ist eine andere Sache.

Lindner: Ja, auch dies kann ich verstehen. Aber ich werde bewiesen, daß ich das kann. Ich habe Leute wie Olaf Ludwig als „DDR-Amateure“ gehabt, die haben in ihrem ersten Profijahr gleich voll zugeschlagen und gewonnen. Heute kommen renommierte Profis zu mir und sagen: Mach mal, wir kommen zu Dir. Ein Zülle oder ein Escartin kommen, ohne mit der Wimper zu zucken, und sagen: Jawohl, wir fahren bei Lindner. Und da geht es nicht nur ums Geld.

RADSPORT-NEWS.COM: Werden Sie allein die Mannschaftsleitung übernehmen?

Lindner: Nein, nein. Ich sage immer, ein guter Dirigent reicht nicht. Wir holen noch zwei gute Co-Sportdirektoren. Wir werden in allen Bereichen mit guten Partnern arbeiten. Unser Sponsor plant langfristig und wir werden gute Mechaniker, gute Masseure, gutes Material haben...

RADSPORT-NEWS.COM: Wa sagen Sie zu den Stimmen, daß Zülle, Escartin und Co. zu alt, ausgebrannt sind?

Lindner: Alex' Zeit ist noch lange nicht vorbei. Zuletzt in Spanien (bei Banesto, die Red.) ist er nicht mehr recht glücklich gewesen. Ich weiß, was Zülle kann, was er braucht. Man wird einen ganz neuen Zülle sehen nächstes Jahr.

RADSPORT-NEWS.COM: Und was erwarten Sie von einem Robert Bartko?

Lindner: Er wird bei uns ein, zwei Jahre ohne Druck fahren können. Er soll erst einmal auf der Straße lernen. Es gibt eine alte deutsche Tradition, daß gute Bahnfahrer zu großen Strassenfahrern werden. Wir werden Bartko Zeit lassen und unter guter Führung, auch unter guten Rennfahrerkollegen wir der sich entwickeln können. In zwei, drei Jahren werden wir das Ergebnis sehen. Schauen Sie sich heute (Andreas) Klöden an! Bartko kann ein ganz großer werden.

RADSPORT-NEWS.COM: Telekom-Teamchef Godefroot wollte Bartko nicht. Verstehen Sie das?

Lindner: Ja klar. Ein Bahnspezialist wie Bartko braucht Anlauf, das braucht Zeit und man weiß nicht immer, was passiert. Aber ich kenne Robert. Ich habe ihn in den Rennen beobachtet, ich glaube an ihn. Das ist der Vorteil, wenn man Schweizer Nationaltrainer ist: Man hat auch mal Zeit, Rennen anzuschauen und ohne daß man erkannt wird...

RADSPORT-NEWS.COM: Wann kommen Sie wieder heim aus Australien?

Lindner: Ich werde nächste Woche wieder da sein. Bei der Hessen-Rundfahrt werde ich mich sehen lassen.

RADSPORT-NEWS.COM: Herr Lindner, wir danken Ihnen für das Gespräch.

::: 28.9.00 Coast-News

Alex' neuer Rennstall hat sich weiter verstärkt. Die Verpflichtung vom 2fachen Olympiasieger Robert Bartko, die in den letzten Tagen doch noch nicht ganz sicher schien, ist nun in Sack und Tüten. Bartko erhält einen 2-Jahres-Vertrag und wird wahrscheinlich 200 000,-DM verdienen.
Ebenfalls unterschrieben hat ein weiterer Eidgenosse, der schon mit Coast in Verbindung gebracht wurde: Mauro Gianetti wird das Lager der Schweizer weiter verstärken. Am Saisonende soll der vorraussichtlich 20-köpfige Kader stehen.

::: 27.9.00 Straßenrennen vorbei

Jan Ullrich hat mal wieder das Kunststück fertig gebracht, auf den letzten Drücker sein Saison doch noch halbwegs zu retten und erfüllt sich mit dem Olympia-Gold einen Kindheitstraum. Platzt 2 belegte sein kasachischer Teamkollege Alexandre Vinokourov, das „Telekom-Triple“ macht Andreas Klöden mit der Bronze-Madaille perfekt.
Die Schweizer um Alex Zülle gingen leider leer aus, obwohl alle 5 Eidgenossen sehr aktiv waren und sich immer vorn im Feld zeigten bzw. verschiedene Ausreißergruppen kontrollierten.
Im Endklassement belegte Alex Rang 68., was allerdings nur „Formsache“ ist, da er gemeinsam mit dem Hauptfeld ins Ziel kam, dessen Fahrer alle mit 1:38 min Rückstand gewertet wurden.
Am Samstag findet noch das EZF statt, vielleicht ein Chance für Alex, auf einen Podiumsplatz zu fahren, seine gute Form, die er heute gezeigt hat, läßt wieder hoffen.

::: 26.9.00 Weltrangliste

Das schlechteste Jahr seiner Profikarriere schlägt sich auch sehr deutlich in seiner Position in der UCI-Weltrangliste nieder: In der September-Ausgabe liegt Alex an 42. Stelle mit 729 Punkten, zu wenig, wenn man bedenkt, daß er Ende 1996 schon mal an erster Stelle lag und unter dem Gesichtspunkt, daß er durch seine Weltranglistenpunkte den GS-I-Status seines neuen Teams „Coast“ (mit)sichern soll.
Allerdings gibt es auch etwas Positives:Durch den Vuelta-Prologsieg sowie die folgenden 8 Tage im Gelben Trikot hat er seinen 69. Platz vom August wieder verlassen.

::: 20.9.00 Nun doch zu Olympia!

Entgegen verschiedener Meldungen will Alex jetzt doch beim EZF und Strassenrennen in Sydney starten. Den Ausschlag gab nach eigenen Angaben die Motivation durch den neuen Vertrag bei Team Coast sowie sein zukünftiger Sportlicher Leiter und Nationaltrainer der Schweizer Radelite, Wolfram Lindner, der während der Vuelta täglich mit Alex telefonierte und ihm wieder das nötige Selbstvertrauen gab.
Lindner glaubt nach wie vor fest daran, Alex bis zu seinem ersten Start mental wieder soweit zu kriegen, daß er vorne mitfahren kann, die körperliche Verfassung von Alex sei sehr gut, es liege nur (wieder mal) am Kopf.

::: 17.9.00 Auch Escartin zu „Coast“

Alex' neues Team rüstet sich weiter im Kampf gegen Telekom auf: Jetzt unterschrieb auch der Tour-Dritte von 1999, Fernando Escartin (Kelme), beim Team Coast. Damit ist der GS-I-Status so gut wie gesichert und Telekom wird im nächsten Jahr harte Konkurrenz auf deutschen Boden bekommen. Escartin hatte eigentlich bereits bei Kelme unterschrieben, konnte jedoch die Vertragsklausel nutzen, die besagte, wenn er ein besseres Angebot eines nichtspanischen Rennstalls bekäme, könne er gehen.
Neben Escartin unterschrieb auch der frischgebackene Olympiasieger in der 4000m-Einzelverfolgung, Robert Bartko, der zuvor mit Telekom in Verbindung gebracht wurde, Teamchef Godefroot ihm aber, trotz mündlicher Vereinbarung, doch keinen Vertrag für die nächste Saison geben wollte.

15.9.00 Interview mit Team Coast-Sprecher


RADSPORT-NEWS.COM: Herr Hahne (Team-Sprecher), Sie haben gestern mit der Meldung vom Wechsel der Schweizer Topfahrer Alex Zülle, Roland Meier und Niki Aebersold zu „Coast“ ganz schön überrascht.

Hahne: Naja, eigentlich sollte die Meldung noch gar nicht unbedingt raus. Aber lange bleibt in der Radsportszene nichts unter der Decke. Seit gestern werden wir überschwemmt mit Angeboten von Firmen, die bei uns als Cosponsoren und Werbepartner auftreten wollen. Wir sind da aber sehr zurückhaltend. Herr (Günter) Dahms, der Besitzer des Unternehmens „Coast“ legt großen Wert darauf, daß ein eventueller Cosponsor auch hundertprozentig zu uns passt.

RADSPORT-NEWS.COM: Was für ein Unternehmen ist „Coast“?

Hahne: Wir sind eine Kette von Modefachgeschäften für junge Mode. Wir haben 20 Filialen in Nordrhein-Westfalen. Da wird man sich jetzt fragen: Warum machen die dann Werbung in ganz Europa mit einem Profirennstall? Die Antwort lautet, wir sind dabei, stark zu expandieren. Und auch im Handel über das Internet sind wir stark engagiert.

RADSPORT-NEWS.COM: Für wie lange wollen Sie sich im Radsport engagieren?

Hahne: Nun, Marketingmaßnahmen wie ein solches Sponsoring sind nur langfristig sinnvoll. Herr Dahms plant langfristig. Wir werden mindestens fünf Jahre im Profiradsport engagiert sein.

RADSPORT-NEWS.COM: Über welchen Etat wird die Mannschaft verfügen?

Hahne: Dazu kann man zurzeit noch nichts genaues sagen, da wir noch gar nicht wissen, wer noch alles kommt. Nur soviel: Wir werden konkurrenzfähig sein.

RADSPORT-NEWS.COM: Konkurrenzfähig auf dem Niveau der Topmannschaften, auf GS-I-Ebene?

Hahne: Ja. Wir wollen bei den großen Rennen dabei sein, wir wollen auch zur Tour de France. Und wir wollen die Tour de France auch mal gewinnen... Wissen Sie, unser Chef Herr Dahms macht die Dinge richtig oder gar nicht. Deshalb arbeiten wir ja auch mit einem Spitzenmann wie (dem ehemaligen DDR-Nationaltrainer und erfolgreichsten Radsporttrainer) Wolfram Lindner zusammen. Er hat schon so gut wie alles gewonnen. Nur die Tour de France noch nicht. Und auch ein Mann wie Zülle will sie noch unbedingt gewinnen.

RADSPORT-NEWS.COM: Banesto war ja nicht unbedingt überzeugt davon, daß Zülle dies noch mal gelingen könnte.

Hahne: Wenn ein Fahrer weggeht, dann kommt da schon mal Neid auf. Wir glauben an Zülle.

RADSPORT-NEWS.COM: Welche Neuverpflichtungen planen Sie noch?

Hahne: Es werden noch einige Leute geholt. Wolfram Lindner hat in den letzten Tagen 80 Angebote erhalten von Fahrern. In den kommenden Tagen und Wochen wissen wir mehr.

RADSPORT-NEWS.COM: Herr Hahne, vielen Dank für das Gespräch.

::: 15.9.00 Olympia-Absage nun endgültig

Gestern wurde nochmals offiziell bestätigt, was sich in den letzten Tagen bereits angedeutet hatte: Alex wird, aufgrund des Ausstiegsverbots bei der Vuelta und der daraus folgenden mangelnden Vorbereitungsmöglichkeit, nicht in Sydney am Start sein. Für Alex springt im Straßenrennen vorraussichtlich der Schweizer Mountainbike-Fahrer Thomas Frischknecht ein. Wer nun für die Eidgenossen das EZF bestreiten wird, ist aber noch unklar.
Die dadurch entstandene Pause will Alex jetzt nutzen, um sich in Ruhe auf die WM in Plouay vorzubereiten um dort eventuell im EZF oder Strassenrennen das Regenbogen-Trikot zu erobern.

::: 13.9.00 Sensations-Transfer!

Heute ist eine echte Transfer-Bombe geplatzt: Alex Zülle wird zum Ende der Saison ins deutsche (noch) GS-II-Team „Team Coast“ wechseln!
Der Kontakt mit dem Bochumer Rennstall kam durch den Schweizer Rad-Nationaltrainer Wolfram Lindner zustande. Neben Alex werden auch zwei weitere hochkarätige Schweizer unter Vertrag stehen: Roland Meier (Cofidis) und Niki Aebersold (Rabobank).
Banesto wollte den Eidgenossen offenbar nicht weiter beschäftigen und setzt jetzt lieber auf den derzeitigen Vuelta-Leader Roberto Heras (Kelme).
Alex erhielt einen 2-Jahresvertrag mit einer Option auf eine dritte Saison.Unklar ist allerdings, wieviel der sicher nicht ganz billige Alex beim Team Coast verdienen wird. Die Team-Manager wollen offenbar mit dem US-Team Mercury gleichziehen, die ebenfalls mit einer „Shopping-Tour“ durch die mitgebrachten UCI-Punkte der verpflichteten Fahrer in den GS-I-Status wollen. Somit hätte dann Deutschland, neben dem Team Telekom, eine weitere GS-I-Mannschaft.
Wolfram Lindner übte auch gleichzeitig Kritik am spanischen Rennstall. Alex' Einbrüche bei Tour und Vuelta seien nicht auf den Schweizer zurückzuführen, da das ganze Team in dieser Saison sehr schlecht fahre.Er ist der Meinung, das bei Banesto falsch trainiert werde. In diesem Zusammenhang ist er sich auch sicher, daß Alex bei Olympia gut abschneiden wird, da seine Probleme eher im Kopf seien, nicht im Körper und man diese noch bis zum Start des EZF beseitigen könnte.Über eine Teilnahme an den Spielen wird vorraussichtlich morgen endgültig entschieden werden.

::: 13.9.00 Olympia-Absage?

Gestern erwog Alex in der Schweizer Zeitung „Blick“ eine eventuelle Nicht-Teilnahme an den Olympischen Spielen. Der Grund ist folgender: Eigentlich hätte Alex die Vuelta schon vor ein paar Tagen aufgeben müssen, um noch genug Zeit zu haben, sich mit Trainingseinheiten auf das EZF in Sydney vorbereiten zu können. Sein Sportlicher Leiter will ihn aber nicht gehen lassen, d.h. er muss die Vuelta beenden, obwohl er eigentlich überhaupt keine Chance mehr hat, noch vorn mitzufahren.
Deshalb möchte Alex lieber ganz auf Olympia verzichten und sich auf die WM in Plouay konzentrieren. Sicher wird das auch ein schwerer Schlag für den Schweizer Verband, nachdem nun auch, neben Oscar Camenzind, Alex das EZF abgesagt hat.Verständlich ist Alex' Verzicht aber, denn wer möchte sich als Ex-Weltmeister schon in seiner Paradedisziplin mit einer schlechten Form blamieren?

::: 9.9.00 Erster verbaler Schlagabtausch vor Olympia

Nach seinem Ausstieg bei der Vuelta am 7.9. gab Jan Ullrich in einem Interview seine Favoriten für das EZF bekannt: das wären Millar (Cofidis), Armstrong (US Postal), Boardman (CA) und Anderson (letztes Jahr 2. hinter Ullrich).
Alex Zülle stand bei ihm allerdings nicht auf der Rechnung, er sein „ zu kaputt“, um noch vorne mitzufahren. Da stellt sich natürlich die Frage, woher Ullrich wissen will, wie es um Alex' Form bestellt ist, zumal ja noch ca. 3 Wochen Zeit bis Sydney sind und man sich bis dahin durchaus wieder regenerieren kann. Auch der Teamarzt von Telekom sieht das so, er glaubt, daß in Sydney alle Konkurrenten optimal vorbereitet an den Start gehen werden.
Sicher wird sich am letzten Tag der Vuelta zeigen, wenn das EZF in Malaga stattfindet, wie gut Alex die Schlappe der 10. Etappe weggesteckt hat und ob sich Ullrichs Unkenrufe bestätigen werden.

::: 7.9.00 „Alex fährt jetzt sauber“

Ex-Profi Rolf Järmann sorgte heute für einigen Trubel durch sein spätes Dopinggeständnis. In der „Neue Zürcher Zeitung“ und im „Blick“ gab er zu, während seiner aktiven Karriere EPO genommen zu haben, wie fast alle Fahrer im Peloton.
Seinen Aussagen zufolge kann man ohne EPO nicht mehr als 10 Tage auf Höchstniveau fahren, danach sei „der Ofen ausgebrannt“. In diesem Zusammenhang ist er sich sicher, daß sein langjähriger Freund Alex Zülle nun auch ohne Doping unterwegs ist, denn damit ließe sich sein Einbruch in den Bergen erklären, nachdem er 8 Tage lang das Gold-Trikot des Spitzenreiters trug.
Järmann meinte auch, das die unglaublichen Leistungen des Kelme-Teams daher kämen, weil in Spanien die Kontrollen nicht so streng seien. In der Tat war der spanische Radsport-Verband überzeugt, Doping sei ein rein französisches Problem und unternahm nicht solche strengen Schritte wie sein französischer Partner.
Bleibt nur die Frage, ob man als Radsport-Fan im Allgemeinen und als Alex-Fan im Speziellen eher froh oder traurig sein soll. Sicher ist es nicht schön, wenn man jetzt davon aussgehen muß, daß Alex Dopinggeständnis auf der Wahrheit und nicht auf Polizei-Zwang beruhte. Andrerseits ist es auch positiv, daß bei ihm und auch bei vielen anderen Fahrern ein Umdenken satt gefunden hat.
Allerdings, wenn, wie Järmann sagt, fast alle Fahrer etwas nahmen, gibt es dann nicht auch wieder eine gewisse Gleichheit? Wie schon Laurent Dufaux vor der Tour de Suisse sagte: „Mit oder ohne Doping, die Besten werden immer vorne sein.“

::: 6.9.00 Wechsel zum Jahresende?

Eigentlich war heute der Ruhetag bei der Vuelta angesagt, aber trotzdem gab es interessante Neuigkeiten um Alex. Die Schweizer Boulevardzeitung „Blick“ will herausgefunden haben, daß Alex eventuell seinen Vertrag bei Banesto nicht verlängern wird. Sein Freund und Manager Tony Rominger wollte schon vor der Vuelta Alex' Vertrag unter Dach und Fach bringen, die Spanier zögerten dies aber heraus. Nach dem erneuten Scheitern mit einem großen Rundfahrtsieg im Trikot der iberischen Bank ( 1999 ebenfalls die Vuelta nach einem frühen Einbruch verloren, ebenso die TdF 2000), wollen die Teamverantwortlichen Alex ihm nächsten Jahr, wenn überhaupt, nur zu stark verringerten Konditionen beschäftigen (schätzungsweise verdient er bei Banesto derzeit ca. 1,6 Mio Sfr im Jahr).
Alex' Manager Marc Biver sieht den Verhandlungen aber gelassen entgegen: „Es liegen genug andere, interessantere Offerten vor“.
Wohin Alex gehen könnte, wurde bisher nicht gesagt. Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht für ihn, wenn er zum Jahresende wechseln würde, denn in diesem Team kann man nach der Ära Indurain als Rennfahrer eigentlich nur enttäuschen.