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::: 1. Etappe
Trois, deux, en, partez!- Mit dem
für ihn typischen Mitatmen nahm Alex das 16 km lange EZF, welches
den üblichen Prolog ersetzte, in Angriff.
Bei diesem ersten kleinen Schlagabtausch der Favoriten Zülle, Armstrong, Pantani
und Ullrich belegte Alex in allen Zwischenzeiten den 6. Platz, jeweils wenige Sekunden
hinter Armstrong und Ullrich. Auch im Ziel blieb er diesem 6. Rang treu, 20 sek hinter
dem schottischen Überraschungssieger David Millar vom Team Cofidis. Seine Konkurrenten
Armstrong und Ullrich belegten die Plätze 2 und 4.
Das Kuriosum des Tages war aber der deutsche Supersprinter Marcel Wüst (Festina),
der das Trikot des besten Kletterers eroberte!
::: 4. Etappe
Erstmals seit 1995 stand wieder ein Mannschaftszeitfahren
auf dem Plan, dessen Favoriten schon im Vorraus fest standen: Once, US Postal oder
das Team Telekom würden hier als Sieger hervor gehen.
Für Banesto war dieser knapp 70 km lange, flache und windanfällige Kurs eher
ungeeigntet, Teamleiter Echavarri hatte Alex ausschließlich Bergfahrer zur Seite
gestellt. Auch Andreas Klier (Farm Frites) hatte diesbezüglich seine Bedenken:
Es ist besser, viele mittelmäßige Zeitfahrer im Team zu haben als
einen Zeitfahrcrack wie Alex Zülle, wo der Rest des Teams nicht mithalten kann.
Diese Vorahnung wurde dann bestätigt: Banesto verlor von Kilometer
zu Kilometer mehr Zeit auf die übrigen Konkurrenten. Völlig unverständlich:
Obwohl nur 5 Fahrer ins Ziel kommen müssen, damit die Zeit gestoppt wird, bekam
Alex die Anweisung seines Teamchefs, daß auf die Kletterer Piepoli und Jimenez
gewartet werden sollte. Verständlicherweise war Alex ziemlich sauer, da sein Rückstand
im Ziel auf das Siegerteam Once 4:19 min bzw. 3:46 auf Ullrich betrug. Durch diese
Aktion waren Alex' Siegchancen bereits erheblich eingeschränkt worden, denn soviel
Zeit im Gebirge aufzuholen würde sehr schwer werden, sollte Armstrong wieder in
seiner Vorjahresverfassung sein.
::: 10. Etappe
Die erste Bergprüfung für die Anwärter
auf den Gesamtsieg stand auf dem Plan: ein Mal Kat.1, ein Mal HC-Kat. sowie die Bergankunft
in Lourdes-Hautacam mußten überwunden werden. Zu allem Überfluß
regnete es den ganzen Tag in Strömen und auf den Berggipfeln herrschten Temperaturen
um die 6°C.
Nichtsdestotrotz setzten sich bereits nach 14 km die Fahrer Jacky Durand (Lotto), Nico
Mattan (Cofidis) und Javier Otxoa (Kelme) ab. Am Col de Marie-Blanque (Kat.1) begann
Banesto das Tempo massiv zu verschärfen, sodaß sich um alle Favoriten ein
ca. 60 Mann starkes Mini-Peloton bildete. Aus dieser Gruppe setzte sich
bald Richard Virenque (Polti) ab. Am Col d'Aubisque schickte Lance Armstrong seine
Mannen vor, um den Rückstand zur Groupe Virenque nicht zu groß
werden zu lassen. Im Anstieg zur Bergankunft hatten alle Helfer Armstrongs die Waffen
strecken müssen, Virenque's Gruppe hatte 1:10 min Vorsprung vor Zülle, Armstrong,
Pantani und Ullrich, vorne fuhr immer noch, inzwischen allein, der tapfere Javier Otxoa.
Dann platzierte Pantani den ersten Angriff. Alex ging sofort mit und fühlte sich
scheinbar so stark, daß er gleich weiter forcierte. Ullrich konnte nicht kontern
und mußte die drei ziehen lassen. Kurze Zeit später bezahlte Alex leider
für seine Courage, mußte abreißen lassen und wurde bald darauf von
Ullrichs Gruppe geschluckt.
Armstrong stürmte unangefochten den Berg hinauf, sprengte Virenques Gruppe und
schickte sich an, mit Jimenez (Banesto) im Schlepptau, Otxoa einzuholen. El Chaba
konnte 2 km vorm Ziel das Tempo nicht mehr halten, während Otxoa mit 42 sek Vorsprung
vor dem heranstürmenden Armstrong mit einem Tagessieg für seine 106 km-Flucht
belohnt wurde.Alex kämpfte sich 3:46 min später über den Zielstrich
und ließ sich völlig ausgepumpt in die Arme eines Betreuers fallen. Ullrich
erreicht mit einem Rückstand von 4:03 min das Ziel, noch vor Pantani, der sich
offensichtlich überschätzt hatte und 5 min kassierte.
Im Gesamtklassement belegte Alex Rang 13 mit 7:22 min Rückstand auf Armstrong,
der sich mit dieser Glanzleistung , die da anzuknüpfen scheint, wo sie bei der
letzten Tour endete, das Maillot jaune erkämpfte.
::: 12. Etappe
Nach dem 1. Ruhetag ging es in Richtung des legendären
Mount Ventoux. Der Ventoux machte seinem Namen alle Ehre, aufgrund des starken Sturms
verzichteten die Organisatoren auf alle Werbebanner, man befürchtete, sie könnten
ins Peloton geweht werden.
Nach unzähligen Attacken bildete sich am ersten Berg (Kat.2) eine 9-köpfige
Spitzengruppe mit Vinokourov (Telekom) Hervé (Polti) und den beiden Banesto-Fahrer
Garcia-Acosta und Arrieta, die maximal 4 min Vorsprung heraus fuhren.
55 km vorm Ziel begann Banesto hinten die Pace zu machen, während Arrieta und
Garcia-Acosta die Beine hochnahmen. 18 km vorm Ziel waren wieder alle beisammen. Im
Anstieg zum Ventoux konnte Alex anfangs gut mithalten, mußte aber bald die Gruppe
um Armstrong, Pantani und Ullrich ziehen lassen. Obwohl er seinen Teamkollegen mehrfach
zurief, sie sollen langsamer fahren, hielten sie das Tempo unverändert hoch, die
ziemlich undurchsichtige Teamtaktik hieß wohl: Etappensieg für Jimenez.
In der Spitzengruppe begann derweil Pantani (Mecatone Uno) seine beiden Gegner Armstrong
und Ullrich ständig zu attackieren, nachdem er es nach mehrmaligen Anläufen
endlich geschafft hatte, zu ihnen aufzuschließen.Bei der 2-km-Marke setzte sich
Pantani schließlich ab, gefolgt von Armstrong, der ihm am Gipfel den Vorsprung
ließ und Pantani damit seinen ersten Tageserfolg nach fast 12 Monaten Rennabstinenz
feiern durfte. Ullrich war erneut machtlos, verlor wieder eine halbe Minute. Alex kam
3:12 min nach dem Tagessieger ins Ziel, noch 7 min früher als Teamkollege Jimenez,
der sich als Kletterer auf seinem Terrain völlig hatte den Schneid abkaufen lassen.
Im Gesamtklassement belegte Alex Platz 14, nunmehr mit bereits 10:12 min Rückstand
::: 14. Etappe
Mit den Alpenriesen Col d'Allos, Col de Vars
und dem Col d'Izoard (alle Kat.1) warteten auf diesem 250 km langen Teilstück
gleich drei schwere Berge auf die Profis.
Es gab wieder viele Ausreißer, am 2. Berg, dem Vars, hatte sich eine aussichtsreiche
Gruppe mit Jens Heppner (Telekom), Santiago Botero (Kelme) und den beiden Banestos
Baranowski und Odriozola gebildet. Im letzten Anstieg hatte diese Gruppe 5:02 min Vorsprung
auf das Peloton, als sich Baranowski und Botero auf und davon machten. In der Gruppe
der Favoriten griff Pantani an, wie so oft ging nur Armstrong mit, Ullrich konnte erneut
nichts zusetzten.Nach 2 km verabschiedete sich Pantani und Armstrong machte sich allein
auf die Verfolgung des Kolumbianers Botero, der seit Jahren wieder einen Etappensieg
für sein Land erkämpfen konnte.
Alex kam, völlig entkräftet, auf der letzten Paßhöhe an und bekam
noch einen aufmunternden Klaps eines Teamkollegens auf die Schulter. Aber das half
auch nicht mehr, im Ziel verlor er erneut viel Zeit, fast eine Viertelstunde.
::: 15. Etappe
Das Dach der Tour, der Col du Galibier
(HC), und die Bergankunft in Courchevel (Kat.1) warteten auf die Fahrer. Bevor es aber
nach Courchevel ging, stellte sich auch noch der Col de la Madeleine in den Weg, auf
dessen Abfahrt sich eine Spitzengruppe mit Jimenez (Banesto), Nardello (Mapei), Lelli
(Cofidis), Otxoa und Botero (Kelme) befand.
Ihnen folgte mit 2:16 min eine weitere Gruppe u.a. mit Garcia-Acosta und Boogerd (Rabobank),
4:09 min später kam das Peloton mit Zülle, Armstrong, Pantani und Ullrich.
17 km vorm Zielstrich brach wieder Il piratas Kämpferherz durch und
er suchte das Weite. Ullrich konnte, wie so oft, nur zusehen und mußte auch noch
um seinen 2. Platz bangen, den sein ärgster Konkurrent, der junge Baske Joseba
Beloki, ging ebenfalls.
Auf seinem Weg zum 2. Tageserfolg überholte Pantani noch Jimenez, der sich zwischendurch
von seinen Fluchtgefährten abgesetzt hatte.Alex erwischte auf der Etappe seinen
schwärzesten Tag in dieser Tour, wahrscheinlich war er gesundheitlich bereits
angeschlagen, normalerweise kommt ein Fahrer wie er nicht mit über einer halben
Stunde Rückstand in Begleitung des Grupettos ins Ziel.
::: 16. Etappe
In Erwartung von 4 Berggipfeln, verteilt auf
196 km, ging es entspannt los. Nach 4 km gab es allerdings eine Gedenkminute für
den von einem Fahrzeug der Werbekarawane angefahrenen und daraufhin verstorbenen 12-jährigen
Jungen.
Am letzten ruppigen Anstieg zum Col de Joux-Plane (HC) forcierte Kevin Livingston (US
Postal) das Tempo mit der Folge, daß das Feld mit Alex, Heras (Kelme), Virenque,
Armstrong und Ullrich auseinander gerissen wurde. Alex fiel leider in die 2. Gruppe
zurück und kassierte im Ziel erneut jede Menge Zeit. Vorn ging derweil die Post
ab, Virenque und Heras setzten sich gemeinsam vom Verfolgerfeld ab. Armstrong zeigte
erstmalig Schwächen und Ullrich konnte sich zum ersten Mal in dieser Tour von
Armstrong etwas distanzieren. Virenque spielte alle seine Abfahrtskünste aus und
gewann die Etappe vor Ullrich und dem unglücklichen Heras, der seine Ambitionen
auf einen Etappensieg unter einem Absperrgitter, in das er gerast war, begraben mußte.
::: 18. Etappe
Nachdem die Tour die Schweizer Grenze passierte,
stieg Alex mit über 1 ½ Stunden Rückstand und gesundheitlich schwer
angeschlagen (Bronchitis, Vereiterung der Stirnhöhlen und des Kiefers) aus.
Sicherlich war diese Tour für Alex, der ja mit großen Ambitionen gestartet
war, mehr als enttäuschend. Wahrscheinlich war seine Krankheit einer der Hauptgründe
für sein schlechtes Abschneiden, aber es gab auch andere Sachen, die ziemlich
in die Hosen gegangen sind. Zum ersten wäre da seine Mannschaft zu nennen, die
in kritischen Situationen oft nicht beim ihm war und teilweise eine völlig unlogische
Taktik verfolgte bzw. offen gegen ihren Kapitän fuhr. Zum anderen wäre da
der Druck auf Alex, der in diesem Team nach der Ära Indurain auf jedem Leader
lastet. Alex ist nicht der Typ Fahrer, der diesen Druck problemlos standhält oder
unter ihm erst richtig Leistung bringt.
Die letzte Sache liegt aber sicher auch an ihm selber. Seine Erfahrung, die er über
viele Jahre gemacht hat, hat ihm gezeigt, daß ihm eine kompromißlose Tour-Vorbereitung
nichts bringt, im Gegenteil, sie erhöht den Leistungsdruck, endlich einmal siegen
zu müssen, nur noch mehr.Von daher ist es etwas unverständlich, warum er
so ein absolut diskretes Frühjahr zeigte und auch gute Chancen zum Siegen nicht
mit letzter Konsequenz ergriff. |