::: Vuelta a Espana 2000

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::: Prolog

Die Milleniumsausgabe der Spanienrundfahrt begann für Alex mit einem dringend benötigten Erfolg nach der bisher nicht überragenden Saison. Er gewann mit 2 Sekunden Vorsprung den Prolog vor Abraham Olano (Once), dann folgte, mit einem Abstand von 20 Sekunden der Tscheche Jan Hruska (Vitalicio). Titelverteidiger Jan Ullrich (Telekom) ging bei heißen Temperaturen den schwierigen Kurs sehr verhalten an und verlor bereits über 43 Sekunden auf den glücklichen Alex, der nach 2 ½ Jahren endlich wieder in das Leader-Trikot einer großen Rundfahrt schlüpfen konnte.

::: 4. Etappe

Obwohl es sich nur um eine Flachetappe handelte, gab es bereits einige Favoriten, die ihren Traum vom Gesamtsieg begraben mußten. Laurent Jalabert (Once) inizierte eine Attacke, Alex und Ullrich gingen mit, aber hinten saßen u.a. Fernando Escartin, Roberto Heras (Kelme), Andreas Klöden und José Maria Jimenez (Banesto) auf der Windkante und kamen nicht mehr heran. Während sich Heras' und Escartins Rückstand noch in Grenzen hielten (1:50 min), verlor Klöden, der, obwohl er Kapitän war, Wasser holen mußte und dadurch den Sprung in die erste Gruppe verpaßte, schon 5 min, Jimenez erwischte es aber mit 12 min gleich knüppeldick.

::: 5. Etappe

Eine erste Bergprüfung der 1. Kategorie vor dem Ziel stand an. Bei Temperaturen um die 40°C setzte sich der Italiener Fabio Roscioli ab und konnte zwischenzeitlich 11:09 min Vorsprung heraus fahren. Das Wetter wurde immer schlimmer, nachdem heftige Sandböen (!) das Feld auseinander rissen, begann es ca. 40 km vor dem Ziel stark zu regnen. Aufgrund der glitschigen Straße kam es zu zahlreichen Massenstürzen, in den Kurven musste die Fahrer zum Teil einen Fuß aus der Pedale nehmen, um nicht hinzufallen. Am Alto de Catí wurde Spitzenreiter Roscioli, der auch Bekannschaft mit der nassen Straße machte, wieder eingeholt. Der Spanier aus dem Banesto-Team, Eladio Jimenez, gewann die Etappe, Alex zeigt sich glänzend aufgelegt und nahm Ullrich auf der kurzen Steigung nochmals 37 Sekunden ab und bleibt weiterhin in Gelb.

::: 9. Etappe

Das mit Spannung erwartete 38 km lange EZF sollte nach Expertenmeinung bereits eine kleine Vorentscheidung um den Gesamtsiegsanwärter bringen. Alex startete als Träger des Goldtrikots als Letzter, nach seinen härtesten Konkurrenten Ullrich (Telekom), und Olano (Once).Ullrich, der nach der ersten Zwischenzeit vorn lang, hatte eine Reifenpanne nach ca. 14 km, was ihn im Tagesklassement einen Teil des Rückstands auf den Sieger Olano von 48 sek einbrachte. Alex, der schlecht startete und in den Kurven extrem vorsichtig fuhr, konnte, entgegen seiner Gewohnheit, nichts zulegen und verlor kontinuierlich Zeit auf den wie entfesselt fahrenden und vom Teamchef lautstark angefeuerten Olano.

Im Ziel betrug sein Rückstand auf den Spanier 2:03 min (15. Platz), was auch den Verlust des Goldtrikots brachte.Im Gesamtklassement liegt Alex nun an dritter Stelle mit 55 sek Rückstand auf Olano und 10 sek Vorsprung auf Ullrich.

::: 10. Etappe

Eigentlich wollte Alex auf der 2. Bergetappe auf Tuchfühlung mit dem Spitzenreiter bleiben, aber daraus wurde nichts.

Auf der 166 km langen Etappe wartete bei km 110 der Coll de la Creneta mit einem über 20 km langen Anstieg, bevor es dann auf die Schlußsteigung La Molina ging. Schon am ersten Anstieg begann das Kelme-Team ein horrendes Tempo zu forcieren, wahrscheinlich auch, um die Spitzenreiter, die zwischenzeitlich mehr als 12 min heraus fuhren, wieder zu stellen und um bereits zu diesem Zeitpunkt einige der Favoriten zu eleminieren. Zumindest im Fall Zülles war ihnen das auch bravourös gelungen, Alex präsentierte sich auf der ersten harten Bergetappe in einer grottenschlechten Verfassung und verlor fast 16 min auf den Tagessieger. Damit war für ihn das Thema Vuelta-Sieg erledigt. Weder die Zurufe vom Sportlichen Leiter Unzue noch die Präsenz von Teamkollege Thomas Brozyna halfen ihm, Anschluß zu kriegen.

Letztendlich belegte er im Gesamtklassement den 38. Platz,14:47 min hinter dem neuem Träger des Gold-Trikots, Gonzales (Once).

::: 11. Etappe

Heute stand eine der härtesten Etappen der Vuelta auf dem Plan: mit dem Alto de la Rabassa (Kat.1), dem Coll d'Ordina (Kat.1) und dem Schlußanstieg nach Andorra-Arcalis warteten gleich 3 Hammer auf die Profis.

Nach Alex' Debakel gestern war man natürlich gespannt, wie sich der Schweizer präsentieren würde. Erneut war es wieder die Kelme-Manschaft, die ein irrsinniges Tempo vorlegte und ständig attackierte. Durch diese Tempoverschärfung und Angriffe bildeten sich mehrere Spitzengruppen, die allerdings immerzu in Größe und Zeitabstand wechselten. Am Alto de la Rabassa und dem Coll d'Ordina geschah dann etwas, womit keiner gerechnet hatte: Alex Zülle bewies Kampfgeist, wollte sich vorne zeigen, trotz seines großen Rückstandes inizierte er sogar eine Attacke! Am letzten Anstieg verlor er dann zwar wieder ca. 8 min, was ihm aber, mit nunmehr 19:02 min Rückstand im Gesamtklassement, relativ egal sein kann, für das Podium wird es eh nicht mehr reichen. Auf den folgenden Etappen spielte Alex keine Rolle mehr. Obwohl er nur noch hinterher fuhr und sich lieber auf die Olympischen Spiele vorbereiten wollte, ließen ihn seine Sportlichen Leiter unverständlicherweise nicht aussteigen, obwohl er die Trainingseinheiten dringend gebraucht hätte. Beim Abschlußzeitfahren in Madrid bekam er dann noch einen moralischen Dämpfer für Sydney, nachdem er in seiner Spezialdisziplin über 5 min verlor. Die Vuelta beendete er mit 1:28 h Rückstand auf Gesamtsieger Roberto Heras (Kelme).

Während der Vuelta wurde er auch noch einmal mit dem leidigen Doping-Thema konfrontiert, nachdem sein Freund und Ex-Profi Rolf Järmann ein verspätetes Geständnis machte und gleichzeitig Alex Leistungseinbruch kommentierte. Järmann sagte, daß man nicht mehr als 10 Tage auf absolutem Höchstniveau ohne Epo fahren kann und er sich daher sicher ist, das sein Freund Alex nun sauber unterwegs ist (s. auch
News-Archiv September).